Tagebuch — OLLEROSEL.WTF

SchlagwortElternhaus

1949 – 1961 Elternhaus

Da gab es zunächst – in dieser Zeit – das Wichtigste, eine Küche und darin ein alter kohlebetriebener Herd. Ein Herd mit umlaufender verchromter Stange „zum Handtuch trocknen“, gusseiserner Platte und emailliertem Korpus mit ebenfalls emaillierter Backofen- und sonstigen Klappen. Kühlschrank – so was gab es noch nicht. In die Küche gelangte man durch das Wohnzimmer. Ein Raum mit rostbraurot lackierten Holzdielen, gekälkten 3,8 m hohen Wänden und einem großen einfach verglastem Fenster. In einer Ecke stand ein kleiner Kanonenofen, der im Winter kaum Wärme lieferte. Auf dem Holzdielen lag in der Mitte des Zimmers ein Teppich. Ach was sag‘ ich Teppich, es war lackierte Dachpappe, sogenanntes „Stragula“. Ein Sofa, ein Tisch, 2 Stuhle und ein Schrank komplettierten den Raum. Auf dem Flur, von wo man in die Wohnung gelangte befand sich ein Kleiderschrank. Das war noch solch ein Schrank ohne Schrauben, Nägel oder Möbelbeschläge, allein die Konstruktion aus Holz hielt diesen Schrank zusammen.

Oben – unterm Dach juchhe – waren noch zwei Schafräume, einer rechts und einer links vom Dachboden. Meine Schwester – die, die den Krieg überlebt hatte – schlief in einem der Schafräume und meine Eltern und ich in dem anderen Schlafraum. Es waren eher Kammern als Räume, wie man eben zur damaligen Zeit auf die Schnelle einen Dachboden ausgebaut hat. Im Winter war es so kalt, dass sich auf den einfach verglasten Fensterscheiben Eisblumen bildeten und ein kleiner Kohleofen brachte im Winter die Temperaturen nachts nicht wirklich über Null Grad. So manche Winternacht habe ich mit Pudelmütze und Handschuhen schlafen müssen.

Samstags war immer Badetag. Die Waschküche war im Anbau des Bahnhofs nur über den Hof zu erreichen. Ein Waschbottich, eine verzinkte Badewanne aus Eisen und Kohle oder Holz zum Heizen – mehr wurde nicht gebraucht. Zuerst musste der Waschbottich mit Wasser gefüllt

1949 Nachkriegszeit

Wir befinden uns Ende der 40ziger Jahre in einem kleinen Ort am linken Niederrhein. Der zweite Weltkrieg ist seit einigen Jahren vorüber, der Schutt der zerbombten Häuser ist zum größten Teil schon weggeräumt und das „normale“ Leben in Friedenszeiten beginnt sich allmählich zu festigen. Flüchtlinge und Einheimische mussten mit dem knappen Wohnraum irgendwie zurechtkommen.

Wohnraum, das ist auch so etwas. Mein Elternhaus war ein Bahnhof mit zugehöriger Gaststätte. Altbau „von vor dem Krieg“ mit 3,8 m hohen Decken – ein Wohnzimmer, eine kleine Küche und Schafräume unter dem Dach. Darüber hinaus gab es eine Waschküche, die man nur über den Hof erreichen konnte. Zur Toilette musste man jedes Mal durch einen Flur und durch die Küche der Gaststätte gehen. Wie schon gesagt, der Wohnraum war knapp und man musste mit dem, was einem zugewiesen wurde, zurechtkommen. So ist es auch meinen Eltern ergangen.